Im Tourismus liegt die Wirtschaftskrise hinter uns. Dies zeigt sich in einem Anstieg der Ausgaben für Urlaubsreisen, einer etwas längeren Urlaubsreisedauer, sowie einer spürbaren Zunahme bei den Kurzurlaubsreisen im Jahr 2010. Die Entwicklung der wirtschaftlichen Lage wird von den Deutschen als noch positiver beurteilt und die Reiseabsichten für das Jahr 2011 sind bereits so konkret wie seit Langem nicht mehr.
Erneut zeigt sich eindrücklich die seit Jahren zu beobachtende
Stabilität der deutschen Urlaubsnachfrage. Mit 75,7% liegt die
Urlaubsreiseintensität – also der Anteil der Bevölkerung, der im
vergangenen Jahr mindestens eine Urlaubsreise (5 Tage und
länger) unternommen hat – genau auf Vorjahresniveau.
Durch die zusätzliche Erfassung der Urlaubsreisen der in
Deutschland lebenden deutschsprachigen Ausländer ermittelt die
RA 2011 erstmals fast 70 Mio. Urlaubsreisen (5 Tage und länger).
Diese teilen sich auf in knapp 64 Mio. Reisen von Deutschen und
6 Mio. Reisen von Nicht-Deutschen.
Hinzu kommen 86 Mio. Kurzurlaubsreisen mit einer Dauer von
zwei bis vier Tagen. Insgesamt umfasst der deutsche Urlaubstourismus
also 156 Mio. Urlaubs- und Kurzurlaubsreisen.
Deutschland ist mit einem Marktanteil von etwa einem Drittel
aller Urlaubsreisen weiterhin das beliebteste Reiseziel. Ein
weiteres Drittel führte 2010 erneut zu Zielen rund um das Mittelmeer,
das letzte Drittel zu allen weiteren Destinationen. Diese
grobe Verteilung hat sich in den letzten Jahren als sehr stabil
erwiesen.
Im Inland kann sich Bayern etwas von Mecklenburg-Vorpommern
absetzen. Schleswig-Holstein und Niedersachsen teilen sich den
dritten Platz.
Hatten die Deutschen 2009 ihr Reiseverhalten und ihre -ausgaben
an die wirtschaftlichen Unsicherheiten angepasst, wurde 2010 im
Urlaub (wieder) aus dem Vollen geschöpft. Mehr Flugreisen und
Hotelurlaube bei gleichzeitig nicht weiter sinkender Reisedauer
schlagen sich in spürbar höheren Reiseausgaben nieder. Nach
dem Rückgang im letzten Jahr stiegen sie um 5% auf 861 EUR
pro Person und Urlaubsreise (der Deutschen). Das ist der höchste
je in der Reiseanalyse gemessene Wert.
Bei der Organisation und Buchung von Urlaubsreisen setzt sich
die langsame Strukturverschiebung fort: Bei den Buchungsstellen
gewinnen die Onlineportale und Unterkünfte weiter zulasten der
Reisebüros. Vor allem durch das Internet werden Direktbuchungen
bei den Leistungsträgern immer leichter und komfortabler.
Längst hat sich das Internet als eine der zentralen Informationsquellen für Urlaubsreisen etabliert. Deutlich über die Hälfte der Reisenden nutzt das Internet zur Urlaubsinformation. Die Suche wird dabei oft breit angelegt und jede Menge Zeit investiert: Im Schnitt verbrachten die Online-Informierer 2010 für eine Urlaubsreise 9 Stunden auf 13 verschiedenen Websites. Immerhin ein Viertel von ihnen surfte sogar bis zu 25 Stunden auf 50 verschiedenen Websites!